Der lange Weg hin zu einem normalen Leben

H P T   U N T E R H A C H I N G

Neue Leitung bei der Lebenshilfe in Unterhaching
Enge Zusammenarbeit mit den Eltern
Gesellschaftliche Teilhabe voran bringen

Die Diplom-Sozialpädagogin Sabine Refle ist seit September die neue Leiterin der Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) der Lebenshilfe München in Unterhaching. Sie unterrichtete zuletzt an einer Fachschule für Heilerziehungspflege in der Nähe von München und kennt die Facetten des Berufs sowie die Begleitung und Förderung von Menschen mit Behinderung.

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Sabine Refle an ihrem neuen Arbeitsplatz

Die professionelle Behindertenarbeit sowie ihre schrittweise Eingliederung in die Gesellschaft sei noch nicht so alt, meint sie und erläutert: „Erst in den 50er-Jahren hat sich gesellschaftspolitisch eine grundlegende Änderung des Menschenbildes in Deutschland ergeben und vor 50 Jahren gründeten engagierte Eltern deutschlandweit Lebenshilfen als Verein, mit heute ca. 2500 Einrichtungen und Diensten. Erst viel später, in den 90er-Jahren, öffnete man sich auch in der Gesellschaft zunehmend diesem Thema.“   

Aber immer noch sei man von einer vollständigen Einbindung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung im öffentlichen Leben ein ganzes Stück entfernt, meint Sabine Refle. Es genüge nicht, eine Resolution zu verfassen und zu verabschieden, wie etwa die UN-Konvention* über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Der Wandel muss auch bei den Menschen ankommen.

So Besonders wie nötig“

Eine Teilhabe und Einbindung muss in allen Gesellschaftsbereichen erfolgen, und bis dahin ist es noch ein weiter Weg“, meint die Pädagogin. „So Normal wie möglich und so Besonders wie nötig, ist ein Leitgedanke, der es gut auf den Punkt bringt.“

Ein Wandel steht auch bei der Lebenshilfe-Einrichtung in Unterhaching an. 2014 beginnt der Umbau der angrenzenden Schule und in Folge auch räumliche Änderungen und Einschnitte bei der Schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) und der Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT). Es wird vor allem viel Grün- und Freifläche mit Spielmöglichkeiten verloren gehen. „Heute haben wir große Innenhöfe als geschützte Bereiche. Das sind für eine gute Beaufsichtigung beste Bedingungen. Im nächsten Jahr ändert sich das, dann werden wir gezwungen sein nach außen zu gehen.“

Raus aus der Komfortzone

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Aber auch darin erkennt Sabine Refle Vorteile. „Wir gehen dann eben auf öffentliche Spielplätze, sind mittendrin, was ja ganz dem Anliegen einer Inklusion entspricht. Jetzt haben wir genügend Zeit, um unsere Schützlinge und auch die Mitarbeiter auf die neue Situation vorzubereiten. Denn mit diesem Stückchen an ‚mehr Freiheit‘ – etwa im Straßenverkehr – ist auch mehr Verantwortung gebunden, für die Betreuer und für unsere Kinder.“

Zentrale Lebensfragen

Was im Kleinen umgesetzt wird, soll auch im Großen erreicht werden. Und da stehen bei Menschen mit Behinderung zentrale Lebensfragen an. Etwa das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, eine eigene Wohnung, Freundin, Partnerschaft, Mobilität, Barrierefreiheit und mehr. In Unterhaching arbeiten drei Betreuer in jeder der 7 Gruppen mit jeweils 7 Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus wird jedes Kind vom Fachdienst an zwei Stunden die Woche betreut. Im Fachdienst wirken Therapeuten und Pädagogen aus den Bereichen Kunsttherapie, Ergotherapie, Logopädie, Motopädie, Heilpädagogik, Physiotherapie und Psychologie zusammen.

Zusammen mit den Eltern

Wichtig ist für Sabine Reft eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und dafür sind die Weichen im HPT und der SVE in Unterhaching gestellt. In halbjährlichen Gesprächen tauscht man sich über Erreichtes aus, zieht ein Zwischenbilanz oder einigt sich auf Zielvorgaben für die nächsten Monate. Ein Rahmen, der auch bei einem gemeinsamen Elternfrühstück und Elternabend gerne genutzt wird.

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Da kommen sich Eltern näher und viele von ihnen halten untereinander Kontakt. Eltern sind die Experten, können ihr Kind am Besten einschätzen und allein schon darum ist eine offene Kommunikation sehr wichtig. Nur gemeinsam schaffen wir es, den Kindern und Jugendlichen ins Leben zu helfen.“ Ein wichtiges Instrument dabei ist das täglich geführte „Elternheft“, in dem die Betreuer über die jüngsten Aktivitäten und Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Natürlich stoßen wir auch an Grenzen“, räumt die Sozialpädagogin ein. „Es gibt festgelegte Rahmenbedingungen in denen wir uns bewegen müssen, ob zeitliche, personelle oder monetäre Vorgaben. Wir bemühen uns aber immer das Beste zu erreichen und sind zudem in der Lebenshilfe München gut vernetzt.“ So hilft die Elternberatung oder der Familienunterstützende Dienst (FuD) mit ergänzenden Angeboten weiter.

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