Die Lebensfreude in einem langen Berufsleben bewahrt

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Ulrike Strathmann verlässt nach 30 Berufsjahren die Lebenshilfe München

Rente! Endlich geschafft, alle Beitragsjahre erfüllt und die Hälfte davon bei der Lebenshilfe München. Bei Ulrike Strathmann, die bis 30. September 2013 die Schulvorbereitende Einrichtung und Heilpädagogische Tagesstätte der Lebenshilfe München in Unterhaching geleitet hat, ist die Freude groß. „Aber eigentlich habe ich Familie und Beruf immer gut zu verbinden gewusst“, meint die gelernte Ergotherapeutin, und hat dabei auch ihre zwei Töchter in deren ersten Lebensjahren intensiv begleitet.   

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Als Zeichen großer Anerkennung für das 30-jährige Engagement von Ulrike Strathmann in der Lebenshilfe München überreicht Geschäftsführer Peter Puhlmann einen herbstlichen Blumenstrauß.

Gleich bei der Eröffnung der Heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe für Kinder mit seelischer Behinderung in Unterhaching (1977) fand sie hier einen modernen Arbeitsplatz und einen engagierten Arbeitgeber. 1981, nach der Geburt ihrer ersten Tochter, widmete sie sich ganz der Familie. Für den beruflichen Wiedereinstieg (1995) entschied sich Ulrike Strathmann wieder für die Lebenshilfe München. Diesmal arbeitete sie in der Schulvorbereitenden Einrichtung und Heilpädagogischen Tagesstätte in Riemerling, zunächst als Ergotherapeutin, später als Leiterin. Mit intensiver Fortbildung in Kursen und Seminaren hat sie sich berufsbegleitend auf diese neue Aufgabe vorbereitet. „Flexibilität und Organisationstalent sind in diesem Bereich sehr wichtig, ebenso die Bereitschaft zu Transparenz und Offenheit.“

Überhaupt merkt man schnell, wie gut organisiert Ulrike Strathmann ist. Selbst sagt sie, dass es ihr nicht schwergefallen sei, das Berufliche vom Privaten zu trennen. Burnout kennt sie für sich nicht und winkt ab: „Natürlich gibt es Situationen, in denen der Beruf einen buchstäblich auffrisst. Doch sollte es in schwierigen Zeiten auch heißen, einfach mal durchzuhalten.“ Bei den Jüngeren sieht sie im „Burnout“ vielfach auch private Ursachen. „Da wird gerne die Arbeit als „Schuldiger“ ausgemacht – vorgeschützt. Damit scheint das Verständnis der Mitmenschen sicherer zu sein.“

 Das Besondere schätzen

„Es ist aber auch immer die Frage, ob einer Person die Arbeit und das Besondere daran liegt. Fachliche Qualifikation allein reicht nicht aus, es muss auch das Menschliche stimmen, sprich, das Herz am rechten Fleck sitzen“, ist sich Ulrike Strathmann sicher. Überhaupt zähle im Privaten wie im Beruflichen immer eine offene Kommunikation. „Es muss alles ausgesprochen werden, und zwar konstruktiv, ohne den Anderen zu verletzen oder bloßzustellen, nur so kommt man weiter. Es dürfen keine „Leichen im Keller“ vergraben werden.“

Eine öffentliche Aufgabe

Über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg war es die Aufgabe von Ulrike Strathmann, das Unternehmen „Schulvorbereitende Einrichtung und Heilpädagogische Tagesstätte“ am Laufen zu halten, bei personellen Engpässen genauso wie bei der Umsetzung neuer Vorgaben durch den Gesetzgeber, zumeist den Bezirk Oberbayern. „Die Lebenshilfe München als Leistungserbringer nimmt mit der Förderung und Betreuung von Menschen mit Behinderung eine öffentliche Aufgabe wahr, wobei sie sich jeweils auf die gesetzlichen Vorgaben einstellen und diese vorschriftsgemäß umsetzen muss.“ Zeitweise hätte sie sich für die Umsetzung gesellschaftlicher Forderungen, wie Integrationsangeboten, mehr Engagement im Landkreis und den einzelnen Gemeinden gewünscht.

Freiheit in der Gestaltung

„So haben wir damals um die Jahrhundertwende nach vielen vergeblichen Bemühungen schließlich mit der Gemeinde Hohenbrunn versucht, die Integration im Regelkindergarten der Gemeinde zu optimieren. Unser Know How und die kurzen Wege zwischen den beiden Häusern machten dieses Projekt damals äußerst attraktiv. Gemessen an den damaligen Strukturen war das eine schöne Aufgabe mit guten Perspektiven.“ Zugute kam ihr dabei eine Geschäftsleitung, die ihr viel Gestaltungsfreiheit ließ. „Wir haben direkt vor Ort alles regeln können und manches möglich gemacht, was bei einem engen Rahmen an Vorgaben nicht zu schaffen gewesen wäre. So haben wir als Team auch in den letzten zwei Jahrzehnten für unsere Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen die Angebote der Kommunikation entwickelt und ausgebaut. Diese Angebote sind heute ein besonderes Qualitätsmerkmal unseres Hauses. Das freut mich sehr!“

Eine Dauerthema bleibt die Inklusion, die selbstverständliche Einbindung von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft. Hier sind positive Impulse wichtig. Ulrike Strathmann: „Seit dem vergangenen Schuljahr läuft ein Projekt mit der benachbarten Jahn Grundschule in Form einer Psychomotorikstunde für Kinder der Jahnschule und Vorschulkinder unseres Hauses. Auch das freut mich sehr!“

Das Loslassen lernen

Heute fürchtet die engagierte Leiterin der Lebenshilfe-Einrichtung das Streichen der Ferienbetreuung in Heilpädagogischen Tagesstätten. Ein wichtiges Angebot für die Eltern, deren Urlaubsanspruch ja bei weitem nicht an die Ferienzeiten der Schulen heranreicht. Doch darum werden sich andere kümmern müssen. Für Ulrike Strahmann heißt es jetzt, einen Abstand zu ihrer Arbeit zu finden, sich auf die Rente einzulassen. „Das heißt für mich und meinen Mann erst mal ganz ohne Termindruck zu leben. Ein herrliches Gefühl. Hobbys haben wir genug gepflegt um nicht in eine Depression zu rutschen. Und wer weiß, vielleicht werde ich mich auch privat wieder mehr engagieren. Doch das wird die Zukunft zeigen“.

Foto:

Als Zeichen großer Anerkennung für das 30-jährige Engagement von Ulrike Strathmann in der Lebenshilfe München überreicht Geschäftsführer Peter Puhlmann einen herbstlichen Blumenstrauß.

Foto: Lebenshilfe München

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