Ilse Achilles als Vorsitzende des Angehörigen-Beirats verabschiedet

Im Namen des Vorstands bedankte sich dessen Vorsitzende Andrea Siemen bei Ilse Achilles mit Blumen und einer Flasche Riesling der Lebenshilfe München

Mit Blumen und herzlichen Dankesworten wurde Ilse Achilles bedacht, als sie Mitte Juli ihre letzte Sitzung des Angehörigen-Beirats Wohnen leitete. Aus gesundheitlichen Gründen legte sie den Vorsitz dieses Gremiums nieder. Gegründet wurde der Angehörigenbeirat 2008. Er gab für Eltern und Geschwistern von BewohnerInnen der Lebenshilfe-Wohneinrichtungen Gelegenheit zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Ebenso pflegte er den Kontakt zu Vorstand, Geschäftsführer und zum Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München.

Sich selbst einen Eindruck verschaffen

2010 übernahm Ilse Achilles den Vorsitz. In ihrer Amtszeit besuchten die Mitglieder des Angehörigen-Beirats die meisten der elf Wohneinrichtungen der Lebenshilfe, um sich von den Gegebenheiten dort ein eigenes Bild zu machen. Es gab außerdem einen Besuch bei der Lebenshilfe Ingolstadt. Der Angehörigen-Beirat der Einrichtung Herzogsägmühle war zu Gast in München, schaute sich Putzbrunn 1 und 2 und die Werkstatt an.

Themen die den Alltag bestimmen

Helgard Richter übergab einen Strauß des Angehörigenbeirat der Lebenshilfe München

Häufig waren die Beiratssitzungen von Themen wie die anstehenden Bau- und Sanierungsmaßnahmen, um Klagen über Personalmangel, die medizinische Versorgung, die Wäsche und das Freizeitangebot bestimmt. Einiges konnte verbessert werden. Die OBA-Veranstaltungen zum Beispiel sind hervorragend organisiert, aber nicht alle BewohnerInnen waren in der Lage, die Treffpunkte allein mit dem Taxi zu erreichen. Die OBA gibt nun in ihren Broschüren genaue Ziele für Taxis an. Dort nehmen OBA-MitarbeiterInnen die TeilnehmerInnen direkt in Empfang.

Es fehlen noch viele Einrichtungen

Ilse Achilles betonte, die Möglichkeiten des Angehörigen-Beirats Wohnen seien noch lange nicht ausgeschöpft. Leider fehlen die Angehörigen einiger Wohneinrichtungen. Nicht vertreten sind zurzeit der Willinger Weg (z.Z. Unterschleißheim), St. Quirin-, Schmaedel- und Packenreiterstraße sowie Kiem-Pauli-Weg, Hermann-von-Sicherer-Straße, Gottfried Böhm-Ring, Berliner und Landsberger Straße. Deshalb kann der Angehörigenbeirat nur einen eingeschränkten Blick auf alle Lebensräume der Lebenshilfe haben.

Andreas Görres führt die Geschäfte.

Das sollte sich ändern, hofft Ilse Achilles. Die nächsten Angehörigen-Beirats-Wahlen finden im nächsten Jahr statt. Wer Lust und Zeit hat, mitzuarbeiten, ist herzlich eingeladen, an einer der nächsten Sitzungen teilzunehmen, um sich ein Bild von der Arbeit des Gremiums zu machen. Ilse Achilles bleibt Mitglied im Angehörigen-Beirat. Wer den Vorsitz übernehmen wird, entscheidet sich spätestens bei der Wahl 2019. Als Interims-Lösung führt Andreas Görres die Geschäfte. Die scheidende Vorsitzende dankte allen Mitgliedern des Beirats, dem Vorstand, dem Geschäftsführer und dem Bereichsleiter Wohnen für die gute Zusammenarbeit: „Sie alle hatten immer ein offenes Ohr für uns und kamen uns entgegen, wo immer es möglich war.“

Lebenshilfe mit viel Spaß beim St.-Quirin-Fest in Giesing

Das 22. St.-Quirin-Fest in Giesing war bei hochsommerlichen Wetter und heißen Temperaturen wieder gut besucht. Die vier Einrichtungen der Behindertenhilfe gestalteten nicht nur ein sommerliches Gartenfest, sie boten auf der Bühne bis in die Abendstunden hinein auch ein buntes Programm mit viel Musik. Auch die Lebenshilfe München engagierte sich wieder für die Feierlichkeiten.

Die „Quirin-Percussion-Band“ war mit Trommeln und Rhythmus eifrig bei der Sache. Auf der Bühne die Verantwortlichen des Festes aus den vier Behinderten-Einrichtungen.

„Roy: einfach gute Musik“ ist das Motto der Band, die mit rockigen Einlagen aus den 70er-, 80er-, und 90er-Jahren für gute Stimmung sorgte.

Zumba mit ‚Anai y Heri“ mit perfekter Körperbeherrschung und das richtige Gefühl für die Musik begeisterten das Publikum, das auf dem weitläufigen Gelände mit Freunden und Bekannten das Fest genoss.

 

 

 

Die Tiere ansehen, sie berühren oder auf ihnen reiten macht den Kindern und Jugendlichen viel Spaß. Kamele und Lamas sind dafür besonders gut geeignet und sind auch beim St.-Quirin-Fest in Giesing im Einsatz.

Es wird getanzt, flaniert, zugeschaut oder die Besucher stärken sich an einem der vielen Stände.

‚Hoch hinaus‘, am Seil gesichert, geht es auf dem Kletterturm. Kleine und große Athleten hangeln sich von Griff zu Griff.

 

 

Zum Tod von Helmuth Coqui

„Es bleibt uns nur, noch einmal DANKE zu sagen“

Am Samstag, den 29. Juni 2019 verstarb Helmuth Coqui.
Der Diplom-Ingenieur (geb. 1935) war verheiratet
und hatte drei Kinder.
Seit 1970 war er Mitglied in der SPD, von 1994 bis 1998 Mitglied im Bayerischen Landtag. Hier war er vor allem in den Ausschüssen für Bundes- und Europaangelegenheiten tätig sowie für Hochschule, Forschung und Kultur.

Ehrenamtlich engagierte sich Helmuth Coqui als Mitglied des Vorstands der Lebenshilfe München ab dem Jahr 1992.
Von 1995 bis 2001 war er Vorsitzender des Vorstands.
In seine Amtszeit fiel unter anderem der Aus- und Umbau des Gebäudes in der St.-Quirin-Straße. Hier wurden verschiedene Einrichtungen der Lebenshilfe München e.V. untergebracht sowie die Geschäftsstelle eingerichtet. Noch weitere wichtige Weichenstellungen hat die Lebenshilfe München Helmuth Coqui zu verdanken: Er unterstütze die Gründung der Stiftung Lebenshilfe München und brachte die Gründung der beiden GmbH „Kinder und Jugend“ sowie „Wohnen“ auf den Weg.

Außerdem war Helmuth Coqui Mitglied des Vorstands der Bundesvereinigung Lebenshilfe, des Landesverbandes der Lebenshilfe und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Bayern.

Im Jahr 2015 kandidierte er erneut für den Vorstand der Lebenshilfe München. Damals begründete er sein Engagement so: „Es interessiert mich einfach, hier noch einmal einzusteigen und mitzumachen.“
Als Vater einer Tochter, die schwer mehrfachbehindert ist, kannte er privat und auch von seiner früheren Mitarbeit im Vorstand die Herausforderungen dieser Tätigkeit und hatte „viele Ideen was man auf den Weg bringen könnte.“ Als großer Freund des L.I.E.S. besuchte er in dieser Zeit immer wieder die Redaktionssitzungen und sorgte mit seinen Anregungen für interessante Themen und Aspekte.

Im Jahr 2018 beendete Helmuth Coqui seine Mitarbeit im Vorstand, war aber dennoch bei allen wichtigen Veranstaltungen des Vereins dabei.

Viele Jahre lang hat Helmuth Coqui seine Ideen, sein Wissen und sein ganz persönliches Engagement der Lebenshilfe zur Verfügung gestellt. Dieser unermüdliche Einsatz verdient uneingeschränkt unseren Respekt!

Deshalb bleibt uns nur, noch einmal ‚DANKE‘ zu sagen.
Wir werden Helmuth Coqui ein ehrenvolles Andenken bewahren!

St. Quirin-Fest am 4. Juli

Am 4. Juli feiern die Behinderten-Einrichtungen in Giesing wieder ihr St. Quirinfest. Zum 22. Male präsentieren die gemeinnützigen Organisationen ab 15 Uhr wieder ein buntes Programm für Besucher, bei denen Menschen mit Behinderung im Blickpunkt stehen. Unterstützt wird dieses Fest von der Landeshauptstadt München, das zu einem echten Stadtteilfest in Giesing geworden ist. Zu den vier großen Einrichtungen, die das Event als Arbeitsgemeinschaft tragen, zählt auch die Lebenshilfe München.

Ein buntes Programm beim St. Quirin-Fest in München-Giesing

Die Wohneinrichtung am Willinger Weg nimmt Formen an

Im Sommer kann man fast täglich den Fortschritt auf der Baustelle beobachten. Alle sind gespannt auf die Fertigstellung des Rohbau und natürlich freuen sich Betreuer und die Bewohner, Menschen mit geistiger Behinderung, auf die Eröffnung der neuen-alten Einrichtung der Lebenshilfe München am Willinger Weg.

Die Lebenshilfe München geht den Weg ihrer Erneuerung konsequent weiter. Größtes Projekt ist derzeit der Neubau eines Wohngebäudes am Willinger Weg. Seit 1988 nutzte der Elternverein die alte Arztvilla aus den 30er-Jahren als Wohneinrichtung. Der Zustand des Gebäudes, die Anforderungen an ein barrierefreies Wohnen und neue gesetzliche Auflagen machten einen Neubau unumgänglich. Die Bewohner sind seit Januar 2018 in einem eigenen Stockwerk einer großen Senioreneinrichtung in Unterschleißheim (siehe Bericht) untergebracht. Wohnbereichsleiter René Pfeiffer freut sich, dass die Arbeiten für den Neubau gut in der Zeit liegen, trotz eines langen und schneereichen Winters.

Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München, im Gespräch mit einer Anwohnerin. Die Dame beklagt sich zwar über den andauernden Lärm der Baustelle, freut sich aber über die zügige und schnelle Arbeit, so dass bald ein Ende absehbar ist. Sie ist begeistert wie sauber das Umfeld der Baustelle von den Bauarbeitern gehalten wird, und wie nett und zuvorkommend alle auf der Baustelle sind. Insgesamt ist sie gegenüber dem Neubau sehr positiv eingestellt.

Die Lebenshilfe ging bei der gesamten Baumaßnahme behutsam vor, so dass sich selbst die Nachbarn darüber freuen. Zunächst entfernte man die unterschiedlichen Baustoffe im alten Gebäude vorschriftsmäßig und der Außenbereich wurde vorbereitet. Schützenswerte Bäume galt es zu sichern, selbst die Humuserde des großen Gartens wurde abgetragen und zwischengelagert. Nach dem Abriss des alten Hauses erfolgte der Aushub für den Keller. Jetzt stehen bereits die Wände für den ersten Stock und bis zum Herbst soll der Rohbau abgeschlossen sein. Damit erscheint eine ‚Wieder-Belebung‘ der Lebenshilfe-Wohneinrichtung am Willinger Weg im Jahr 2020 realistisch. Es entsteht eine große, moderne, helle und zeitgemäße Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung. Die Einrichtung bietet dann 24 Wohnplätze, Gemeinschaftsräume und Platz für die Betreuer.

 

 

 

Junger Judo-Olympiasieger der Lebenshilfe-WG

(gsp) Samuel Dietz ist ein geborener Münchner (Pasing) und seit seinem dritten Lebensjahr ein aktiver Judoka. Seine Mutter förderte früh seine Begeisterung für Sport und Bewegung. Im März ist Samuel Dietz mit 19 Jahren bei den Special Olympics World Summer Games 2019 in Abu Dhabi Judo-Olympiasieger im Schwergewicht geworden. Samuel lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München, macht einen selbstsicheren Eindruck, von einer geistigen Behinderung ist ihm kaum etwas anzumerken.

Olympiasieger mit dem sanften Weg

Groß und durchtrainiert ist er, und erklärt den Judo-Kampfsport als ‚den sanften Weg‘. Es gehe dabei im Wesentlichen um ‚Werfen, Halten und Bodentechnik‘. „Das Würgen und Hebeln ist verboten“, erklärt er. 2016 war er bereits Deutscher Meister und 2018 schaffte er es in London als Vice-Europameister ganz nach oben. Bei seinem Kampf in Abu Dhabi hatte er es nicht leicht. Sein Gegner war um 30 Kilo schwerer. Dennoch konnte er den Kampf mit einem 2 : 1 für sich entscheiden.

Wunsch nach Arbeit und eigener Wohnung

Vom Bayerischen Meister im Judo hat Samuel Dietz es bis zum Judo-Olympiasieger und zugleich Weltmeister geschafft. Stolz präsentiert er seine Medaillen.  –  Foto: Gerd Spranger

Sein normales Training leistet er zweimal wöchentlich in seinem Verein in Pasing. In der Wettkampf-Vorbereitung trainierte er fünfmal in der Woche. Privat baut er im Krafttraining Muskeln auf und beim Joggen Kondition. „Entscheidend für den Erfolg sind aber auch Beweglichkeit und Schnelligkeit“, erklärt Samuel. Aktuell bewegen ihn zwei große Ziele. Er möchte mit einer eigenen Wohnung ein selbstbestimmtes Leben führen und er ist auf der Suche nach Arbeit. „Ich kann ‚gut mit anpacken‘ und einen 8-Stunden-Tag schaffe ich“, ist er überzeugt, nimmt es als sportliche Herausforderung. Selbst als Olympia-Weltmeister ist Samuel mit einer leichten geistigen Behinderung (Autismus) arbeitslos. Auch vor Diskriminierung ist dieser sanfte Riese nicht ganz sicher. „Wenn die Leute mein Handicap merken, machen sie mich auch gerne fertig“, erzählt er aus gemachten Erfahrungen.

Echte Lebenshilfe für Hilfe im Alltag

Was das selbständige Wohnen betrifft, so ist Samuel Dietz auf einem guten Weg, denn die Wohngemeinschaft (WG) der Lebenshilfe München an der Landsberger Straße wird nur ambulant betreut. „Es reicht in der Regel, wenn wir zweimal wöchentlich bei unseren Klienten sind, auch wenn wir regelmäßigen Kontakt zur WG halten“, erklärt Daniela Holzmann, die Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnens. „Meist regeln wir dann anstehende Belange, im lebenspraktischen Bereich, mit den Behörden, sprechen uns mit den Betreuern ab, kümmern uns um medizinische Angelegenheiten. Sehr selten müssen wir Konflikte lösen, denn das Zusammenleben funktioniert sehr gut“, ergänzt sie. Acht Bewohner mit geistiger oder psychischen Einschränkungen leben hier auf zwei Etagen zusammen. Es gibt eine gemeinsame Küche, einen großen Gemeinschaftsraum, einen Garten mit Terrasse und Funktionsräume. Sonst hat jeder sein eigenes Zimmer und damit sein ganz privates Reich.

Die meisten Bewohner der WG streben längerfristig ein eigenständiges Leben mit einer eigenen Wohnung an. Für sie ist die WG ein guter Weg dorthin. „Die meist jungen Leute haben sich untereinander gut angefreundet und wir sind mit den Erfolgen sehr zufrieden“, bekräftigt Daniela Holzmann. Die WG der Lebenshilfe München an der Landsberger Straße besteht im vierten Jahr.

 

Ein Inklusives Familienfest in Giesing

Heiko Müller, Matthias Weber, Konstantin Nadler, Harald Haufler mit Scheck, daneben sieht man noch einen Teil von Monika Peterssen, Andrea Hartmann, Peter Kohlert, Ilka Klappstein, Gabriele Götz, Andrea Siemen, Harry Zipf und Peter Puhlmann.

Der Familienunterstützende Dienst der Lebenshilfe München lud zusammen mit der Frühförderstelle Giesing und in Kooperation mit dem Nachbarschaftstreff Giesing zu einem großen Familienfest ein. Bei herrlichem Wetter konnten sich die Kinder auf der Hüpfburg austoben und einen Kletterberg hinaufkraxeln. Viel Spaß machte den kleinen Besuchern auch das Kinderschminken, eine melkbare Ziege und der Besuch eines Clowns. Für die Angehörigen, Besucher und Nachbarn gab es Kuchen und Kaffee sowie viele Gespräche. Kontakte wurden geknüpft oder vertieft und zum Schluss waren sich alle einig: Es war ein gelungenes, fröhliches Familienfest!

Deutsche Bank hilft mit Social Day

Mitarbeiter der Deutschen Bank München engagierten sich bei ihrem „Social Day“, mit dem der Konzern ehrenamtliches Engagement seiner Mitarbeiter unterstützt, persönlich bei der Vorbereitung des Festes. Sie halfen beim Ausschank der Getränke, verteilten Essen, sorgten für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung und halfen auch nach dem Fest noch beim Abbau.

Gabriele Götz, Mitarbeiterin der Deutschen Bank München betonte: „Wir engagieren uns gerne wieder ehrenamtlich für die Einrichtung, da sie behinderten Menschen und deren Familien Hilfs- und Betreuungsangebote bietet. Bei der Lebenshilfe zählt jeder gleich viel und Werte wie Gleichberechtigung, Toleranz und Nächstenliebe werden hier täglich gelebt. Beim Sommerfest der Lebenshilfe können sich die Bürger über die Angebote der Einrichtung informieren, Menschen mit Behinderung und deren Familien verbringen einen entspannten Tag zusammen und die vielen Mitarbeiter können beim Fest auf ihre erfolgreiche Arbeit zurückblicken – da packen wir natürlich gerne an.“

Große Freude bereitete darüber hinaus noch eine Spende über 1000 €, die von den Mitarbeitern der Deutschen Bank überreicht wurde. Das Geld war eine Unterstützung für die Finanzierung des Festes und die dafür benötigten Anschaffungen.

Text: FuD

Ein herzliches Dankeschön für die großzügige Unterstützung!

Gastbeitrag: Wahlrecht für alle

Das Wahlrecht ist ein Meilenstein
für Menschen mit Behinderung

Erstmals dürfen 85.000 betreute Menschen mit Behinderung an der Europawahl teilnehmen. Möglich gemacht hat dies ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts im April 2019. Dieter Schroll, seit 1991 Geschäftsführer der Lebenshilfe Berchtesgadener Land, bezeichnet dies als einen Meilenstein und setzt es mit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) im Jahre 2008 gleich.

Dieter Schroll ist Geschäftsführer der Lebenshilfe BGL. Er hält das Wahlrecht für den nächsten Schritt in Richtung Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung. – Foto: Gerd Spranger

„Die BRK hat vor über zehn Jahren die Grundlage eines Umdenkens gelegt und führt nach und nach zu einem Paradigmenwechsel. Waren Menschen mit Behinderung noch vor zwei Jahren über die Sozialhilfe ‚versorgt‘, so haben sie heute nach dem Bundesteilhabegesetz (BTG) einen rechtlichen Anspruch darauf. Das ist ein wichtiger und wesentlicher Unterschied“, so der Lebenshilfe-Geschäftsführer.

Dieter Schroll spricht von einer Verschiebung der Vorzeichen im öffentlichen Raum und im gesellschaftlichen Umgang. „Heute reden wir offen darüber, dass nicht der einzelne Mensch behindert ist, sondern die Gesellschaft ihn behindert. Sie unternimmt nicht das Notwendige, um ihm eine Teilhabe zu ermöglichen. Das diskriminiert den Menschen. Es muss alles getan werden, um die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung und ihre volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern. Das wird vom BTG gefordert und gefördert.“

Schroll sieht viel Positives auf den Weg dorthin. „Barrierefrei“ etwa sei heute kein Fremdwort mehr. Die zunehmende Zahl von Senioren mit Einschränkungen habe dem auch Vorschub geleistet. „Wir erleben eine Normalisierung im gesellschaftlichen Miteinander, und das Recht zu Wählen ist ein ganz wichtiger Schritt dazu. Es ist ein selbstverständlicher Teil eines selbstbestimmten Lebens, auf das auch Menschen mit Behinderung ein Recht haben“, bekräftigt er abschließend. MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt, freut sich ebenso: „Endlich, der Durchbruch ist gelungen! Wir schaffen ein inklusives Wahlrecht für alle!“

Hier noch ein besonderer Tipp zur Wahl:

Das ZDF sendet pünktlich zur Europawahl den Bericht „Ich will wählen“ über einen Kurs zur Europawahl in leichter Sprache. Die Lebenshilfe hatte die Filmemacherin soweit möglich bei ihren Recherchen unterstützt.

https://www.zdf.de/gesellschaft/menschen-das-magazin/menschen—das-magazin-vom-25-mai-2019-100.html

Fabian freut sich auf die Europawahl

Fabian ist 26 und darf am 26. Mai zum ersten Mal wählen, es ist Europawahl. Er hat eine geistige Behinderung mit umfassender gesetzlicher Betreuung und war bislang vom Wahlrecht ausgeschlossen. Fabian zählt zu den 85.000 betreuten Menschen, für die das Bundesverfassungsrecht im April 2019 den Weg zur Wahl freigemacht hat. Er findet das gut. Er hat nicht verstanden, warum er nicht schon früher wählen durfte.

Fabian interessiert sich für Politik, schaut immer die Nachrichten an. Mit seiner Mutter und mit Freunden unterhält er sich auch darüber. Die Lebenshilfe plädiert „für ein friedliches und soziales Europa mit Zukunft: Teilhabe statt Ausgrenzung“. Das ist auch ein Ziel von Fabian. Er will nicht länger ausgegrenzt sein und setzt sich für Gleichberechtigung ein.

Die Lebenshilfe möchte darum, dass viele Menschen zur Wahl gehen. Es darf keine Ausgrenzung geben, auch keine gesellschaftliche Ausgrenzung. Fabian lebt in einer WG der Lebenshilfe im Münchner Westen, gemeinsam mit anderen jungen Erwachsenen mit und ohne Behinderung.

Die ganze Geschichte von Fabian ist hier zu lesen:
https://www.jetzt.de/politik/fabian-hat-eine-geistige-behinderung-und-waehlt-zum-ersten-mal

Blickpunkt Pflege beim Bezirk Oberbayern

Tag der offenen Tür im Bezirk Oberbayern
am 19. Mai 2019

Der inhaltliche Schwerpunkt „Blickpunkt Pflege“ wurde gewählt, weil die ambulante und stationäre Hilfe zur Pflege jetzt beim Bezirk Oberbayern in einer Hand sind. Die Besucher können sich an diesem Tag über die Aktivitäten und Serviceangebote der Sozialverwaltung informieren.

Es präsentieren sich die Kliniken des Bezirks Oberbayern mit neuen Entwicklungen auf dem Feld der Altersmedizin und ausgewählte Einrichtungsträger der freien Wohlfahrtspflege geben Einblicke in interessante Projekte der ambulanten und stationären Pflege geben.

Mit dabei ist auch die Lebenshilfe München, die ihr inklusives Wohnkonzept vorstellt: Zehn Erwachsene mit und ohne Behinderungen leben hier in einer Wohngemeinschaft zusammen. Sie unterstützen sich gegenseitig im Alltag, kochen abends gemeinsam in der WG-Küche und verbringen ihre Freizeit miteinander.

An ihrer mobilen Kaffeebar bereitet die Lebenshilfe Werkstatt GmbH Cappuccino, Espresso oder Cafe Crema aus hochwertigen Bohnen der hauseigenen Moccasola Kaffeerösterei zu. Wem der Kaffee geschmeckt hat, der kann gleich noch die Bohnen kaufen.

Das umfangreiche Programm an diesem Tag im Bezirk umfasst neben den Informations- und Aktionsständen auch Vorträge, eine Podiumsdiskussion mit dem Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer zum Thema „Pflege in den eigenen vier Wänden“, Kinderbetreuung und ein Konzert von CubaBoarisch 2.0 – Leo Meixner, den Nachfolgern der Cubaboarischen.

Wann: Sonntag, den 19. Mai 2019
Uhrzeit: 9:30 Uhr bis 17:00 Uhr
Veranstaltungsort:
Bezirk Oberbayern, Prinzregentenstr. 14, 80535 München

Wahlrecht für Menschen mit Behinderung

Info-Termin am Samstag, 11. Mai

Bei der Europawahl am 26. Mai wählen die Deutschen 96 von insgesamt 705 Abgeordnete des EU-Parlaments. Die Wahl ist einzigartig, denn erstmals können 85.000 betreute Menschen mit Behinderungen an der kommenden Europawahl teilnehmen. Dafür haben sich FDP, Grüne und Linke eingesetzt und das Bundesverfassungsrecht hat am 15. April 2019 zugestimmt. 

Sozialpädagogin M.A. Julia Bader, von der Lebenshilfe München schreibt dazu: „Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar festgestellt: die Wahlrechts-Ausschlüsse von Menschen, die in allen Angelegenheiten eine Betreuung haben, verstoßen gegen die Verfassung. Damit ist für diese Menschen jetzt der Weg frei, ihrem Bürgerrecht nachzukommen und zur Wahl zu gehen. Nun ist es wichtig, diesen Personenkreis zu begleiten und zu informieren. Von Seiten der Verwaltung und der Politik ist hierfür erfreulicherweise Bereitschaft zu erkennen. Assistenzen in den Wahllokalen sollen Menschen mit Behinderung unterstützen selbstbestimmt wählen zu können.“

Um Menschen mit Behinderung über die Bedeutung von Europa und der Wahlen zu informieren, hat die OBA jetzt im Löhe Haus (Kult9) in München zu einem Informationsnachmittag eingeladen. Das Motto lautet: „Ich und Europa – eine Reise durch unseren Erdteil“.

Termin: Samstag, 11. Mai
Uhrzeit: 14.30 bis 17.30 Uhr

Veranstalter und Anmeldung:

Offene Behindertenarbeit (OBA9
evangelisch der Region München
Email: info@oba-muenchen.de
Telefon: 089 – 1266 1165

Ein inklusives Familienfest mit der Lebenshilfe

Die Lebenshilfe München feiert am Samstag, den 18. Mai ein inklusives Familienfest. Es lädt der Familienunterstützender Dienst gemeinsam mit der Frühförderung Giesing und dem Nachbarschaftstreff Giesing ein. Für Kurzweil stehen einige spannende Attraktionen auf dem Programm, wie zum Beispiel ein Kletterturm, eine melkbare Ziege und eine Hüpfburg.

Wer möchte kann sich schminken lassen oder bei Kaffee und Kuchen einfach nur der Live-Band zugehören. Ein erlebnisreicher Nachmittag in gemütlicher Runde, Zeit haben für einen ‚Ratsch‘, für einen nachbarlichen Austausch.

Zeit und Ort:

Datum: 18. Mai 2019
Zeit: 14:00 – 17 Uhr
Ort: St.-Quirin-Straße 13, 81549 München

! W I C H T I G !

Das Fest findet nur bei gutem Wetter statt.
Bei Unklarheit rufen Sie gerne die 089 69347 – 130 an.

Einweihungsfest: „Wir feiern Inklusion“

Einweihungsfest in der ersten inklusiven
Wohngemeinschaft der Lebenshilfe München

Mit einem fröhlichen Fest feierte die Lebenshilfe München am 12. April die Eröffnung der inklusiven Wohngemeinschaft in der Hermann-von-Sicherer Straße. Die Bewohner waren bereits ab Oktober letzten Jahres in das Wohnhaus mit Garten in Obersendling eingezogen (siehe Bericht). Inzwischen leben hier vier Studenten mit sechs Menschen mit Behinderung zusammen. Damit das Wohnprojekt gestartet werden konnte, entwickelte die Lebenshilfe München zunächst einmal gemeinsam mit dem Bezirk Oberbayern ein Konzept. Vorbild dafür waren die bereits existierenden Wohngemeinschaften des Vereins Gemeinsam Leben Lernen (GLL).

Viele Spender und Menschen helfen mit

Begrüßung von Peter Puhlmann, Geschäftsführer der Lebenshilfe München und Andrea Siemen, Vorsitzende des Vorstands

Die Stadt München half mit einer Anschubfinanzierung über 50.000 Euro. Darüber hinaus beteiligte sich die Stiftung „München hilft“, die Halbauer Stiftung und die Sparda Bank München, zusammen mit anderen Spendern, großzügig an den notwendigen Umbaumaßnahmen. Selbst die Studenten die hier leben leisten ihren Teil. Sie haben sich bereit erklärt, ihre Mitbewohner mit Unterstützungsbedarf im Alltag zu begleiten und ihnen zur Seite zu stehen, falls sie Hilfe benötigen. Gemeinsam wird das tägliche Leben organisiert und dabei haben alle Mitbewohner das Recht mitzubestimmen, was in der WG passiert. Die Leitung des Hauses hat Sozialpädagogin Cindy Kirsch übernommen. Sie organisierte in den letzten Monaten mit großem Einsatz das Zusammenleben im Haus und ist als Ansprechpartnerin für alle Bewohner sowie für die Angehörigen der Menschen mit Behinderung da. Cindy Kirsch zieht ein positives Fazit aus den zurückliegenden Monaten: „Wir haben sogar schon ein WG-Motto gefunden. Es heißt: „Wir sind halt so…“ – erzählt sie lachend.

Auch Bereichsleiter René Pfeifer ist stolz und froh, dass das Projekt so gut gestartet ist. „Mit diesem Fest wollen wir die gelungene Inklusion feiern und den Studenten sowie den Angehörigen der Menschen mit Behinderung `Danke` dafür sagen, dass sie den Mut aufgebracht haben, sich auf diese neue Wohnform einzulassen.“

René Pfeifer (Mitte), Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe München, bedankt sich, zusammen mit Daniela Holzmann (rechts), Leitung des Ambulant Betreuten Wohnens, bei Cindy Kirsch (links), Leitung Inklusiven WG in der Hermann-von-Sicherer-Straße.

Melanie Martlreiter, Vertreterin des Bezirks Oberbayern, hat das Entstehen der WG begleitet. In ihrer Rede betonte sie, dass sie es großartig finde, dass sich die Lebenshilfe an neue Projekte wage und sie überreichte den Bewohnern eine Orchidee, die das Haus schmücken soll. Melanie Martlreiter ist überzeugt: „Das hier ist wirkliche Inklusion!“

Auch die neue Vorsitzende des Vorstandes, Andrea Siemen, zeigte sich sehr zufrieden. Diese Einweihung sei ein schönes Highlight, gleich zu Beginn ihrer Amtszeit. Sie versprach: „Bei dieser WG soll es nicht bleiben. Wir sind schon dabei, noch weitere neue Projekte in Angriff zu nehmen!“

Damit Gäste und Bewohner auch wirklich gemeinsam feiern können, übernahm das Team des Integrationsbetriebes Balan Deli die Bewirtung mit Häppchen und Getränken. Für gute Stimmung sorgte die inklusive Band der OBA der Lebenshilfe München „Orchestra Extrange“.

 

Wochenend-Seminar für Papas

Lebenshilfe Bayern unterstützt Väter von Kindern mit Behinderungen

Familien mit behinderten oder chronisch kranken Kindern stehen alltäglich vor besonderen Herausforderungen. Mütter werden mit unterstützenden Angeboten oft gut erreicht, Väter eher nicht. Auch gibt es kaum etwas extra für sie. „Das ist mal was Neues, würd´ ich sagen …“ heißt denn auch das Wochenend-Seminar nur für Väter, das die Lebenshilfe Bayern in diesem Jahr erstmals anbietet.

Umgehen mit der besonderen Situation

Auf dem Programm stehen bei dem Seminar für Papas schnitzen, wandern, Kanufahren und miteinander reden. Die Väter sollen sich gemeinsam austauschen und Wege finden, wie sie mit ihrer besonderen Situation besser umgehen und wieder Kraft tanken können. Auch Einzelgespräche sind möglich. Das Seminar findet vom 12. bis 14. Juli 2019 in der Fränkischen Schweiz statt. Die Väter werden dabei von einem erfahrenen Experten begleitet. Der Sozialpädagoge und Familientherapeut Daniel Wilms ist Leiter der bayerischen Fachstelle „Väter von Kindern mit Behinderungen“.

Um Familien zu stärken, bietet das Fortbildungsinstitut der Lebenshilfe Bayern seit vielen Jahren besondere Kurse für Eltern und Angehörige an. Für Geschwisterkinder veranstaltet es zusätzlich Erlebnis- und Abenteuerwochen. Ausführliche Informationen zu allen Kursen gibt es unter http://www.lebenshilfe-bayern.de/fortbildungsinstitut.

Miteinander – Wir gestalten Teilhabe

Unter dem Motto „Miteinander – Wir gestalten Teilhabe“ setzt sich der Lebenshilfe-Landesverband Bayern seit über 55 Jahren als Dachorganisation der bayerischen Lebenshilfen für die Anliegen und Interessen insbesondere von Menschen mit geistiger Behinderung und ihren Familien ein. Seit 2001 ist Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm die Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern.

Der Verband hat heute 160 rechtlich selbstständige Mitgliedsorganisationen, die gut 40.000 Menschen mit Behinderungen und deren Familien unterstützen, fördern und begleiten. Mit rund 900 Einrichtungen, Diensten und Beratungsstellen hat die Lebenshilfe in Bayern ein umfassendes Netz kompetenter Hilfe aufgebaut. Die Lebenshilfe ist bundesweit aktiv als Elternverband und Selbsthilfe-Vereinigung, Fachverband und Trägerin von Einrichtungen der Behindertenhilfe. Sie ist konfessionell und parteipolitisch unabhängig.